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impuls Ghosting im Business? Eine neue Unsitte, die keiner braucht.

06.10.2020, Barbara Lamb

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Kinder zu haben oder mit jungen Kolleginnen arbeiten zu dürfen, ist ein echter Gewinn. In vielerlei Hinsicht. Ganz besonders schätze ich es, dass ich durch sie immer besonders schnell und direkt die gängigen Namen für Phänomene erfahre, die mich nerven, verwirren oder manchmal auch verstören und für die ich selbst noch keine Worte habe. So auch damals bei einer Besprechung in der Agentur, als ich dem Team mit einem Seufzer Rückmeldung zu einer Kundenanfrage äußerte, auf die auch nach mehrmaliger Rückfrage keinerlei Reaktion folgte. Dabei hatten wir in das Konzept und das Angebot viel Denkarbeit gesteckt, in ein internes Brainstorming mit Workshop investiert und auch bei den Terminen im besagten Unternehmen sowohl Konzept wie auch Angebot geschärft und nachbessert und dann – na, eben nichts. Gar nichts. Keine Mail, kein Anruf. Nichts. „Klassisches Ghosting“, meinte damals meine junge Kollegin lapidar und ergänzte: „Das nervt total. Haben die alle keinen Anstand mehr? Das ist ja wie auf einer Dating-App da im Business.“ Aha. Ghosting also. 

Aus der anonymen Dating-Welt ins Geschäftsleben

Eine kurze Recherche liefert mir schließlich auch die Definition zu diesem Phänomen des Nichtantwortens, das vor allem Menschen der Generation X und Z aus dem Privatleben bestens kennen. Das Ghosting hat seine Ursprünge in der anonymen Dating-Welt von New York City. Schreiben zumindest manche. Der Begriff steht für einen unangekündigten, meist vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch in einer Beziehung oder Freundschaft, der sich auf die betroffenen Personen meist überraschend, häufig verletzend und in manchen Fällen traumatisch auswirkt. Kein Rückruf, keine Antwort auf Nachrichten, keine Erklärung. Nichts! Okay. Das erinnert mich an einige unangenehme Begebenheiten in den letzten Monaten mit Kunden und ich schlussfolgere: Das Ghosting ist dem Liebesleben entwachsen und scheint zunehmend in der Geschäftswelt in Mode gekommen zu sein. Finde ich jetzt „nicht so nice“, wie meine Teenager-Kids dies wohl kommentieren würden.

Willkommen im Kommunikationsgeisterhaus

Business Ghosting ist also eine einseitige, unangekündigte und für den Betroffenen überraschende Kontaktabbruchstrategie, die in beruflichen Kontexten zum Einsatz kommt. Auf ein Angebot absagen? Nach einer Konzeptpräsentation Feedback geben? Auf eine Anfrage zurückschreiben? Wozu der ganze Aufwand? Schließlich ist keine Antwort auch eine Antwort. Und Hand aufs Herz: Feedback ist doch nur mühsam. Es erfordert, sich mit dem Anliegen des anderen auseinanderzusetzen, Gründe zu benennen, Erklärungen zu finden, und dann bringt uns das Feedback womöglich noch in Schwierigkeiten, weil wir etwas falsch formuliert haben. Da ist es doch viel einfacher, sich einfach tot zu stellen. Macht auch keinen Stress und ist viel weniger Arbeit. Einmal die Delete-Taste gedrückt und schwupps – erledigt, weggewischt und ausgeblendet.

Sich tot stellen ist leichter, als miteinander zu reden

Dieses Verhalten, sich tot zu stellen, gibt es übrigens auch in der Tierwelt. Die bekanntesten Totsteller sind die Opossums. Kommt ein Fressfeind in Sicht, dann leben sie nach der Devise: Entschuldigung, eigentlich bin ich tot und du kannst mich nicht fressen. Um anschließend frisch und munter ihrem Leben nachzugehen. Ein Verhalten, das in der Tierwelt lebensrettend ist und durchaus Sinn macht, erschwert uns die Zusammenarbeit im Geschäftsleben umso mehr. Es verursacht Unsicherheit, bindet Ressourcen und ist einfach super ärgerlich.

Wie uns das eigene Selbstwertgefühl zum Opossum macht

Dass Menschen den Kontaktabbruch als Kommunikationsmethode wählen, schreiben Psychologen Gründen wie Unsicherheit, Konfliktscheue, Angst vor Gesichtsverlust und Problemen, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren, zu. Sehr häufig betrifft es Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl. Für diese Menschen ist es besonders wichtig, vor sich selbst gut dazustehen. Eine schlechte Botschaft zu übermitteln, könnte sie schlecht aussehen lassen. Das fühlt sich einfach nicht gut an. Ähnlich dem Opossum wählen diese Menschen das „Totstellen“ für sich selbst als Verhalten in schwierigen Situationen.

Business Ghosting – ein Indikator für Unternehmenskommunikation ohne Beziehung

In der Geschäftswelt sind die Gründe manchmal jedoch viel banaler und gleichzeitig einfacher zu lösen. Aufgrund eines Overflows an Informationen innerhalb des Unternehmens fühlen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Anfragen, Rückfragen, Feedback und Nachrichten auf diversen Kanälen schlicht und einfach überfordert. Und machen? Richtig! Nichts. Das Ergebnis bleibt das gleiche wie beim notorischen Totsteller. Das Gegenüber, das auf eine Antwort wartet, tut dies vergeblich. Dabei ist es doch gar nicht so schwer:

Sei kein Opossum – 3 Kommunikationstipps, um Ghosting zu vermeiden

Tipp 1: Was du nicht willst, das man dir tut …
Ein ehrlicher Blick auf unser Kommunikationsverhalten in den letzten Wochen und Monaten bringt meist rasch zutage, ob wir selbst schon Menschen geghostet haben – bewusst oder unbewusst. Na? Doch die letzte Anfrage einer Praktikantin nicht beantwortet? Oder auf ein Angebot und die mehrmaligen Anrufe eines Vertreters nicht geantwortet? Wir sollten uns immer bewusst machen, dass auch diese Menschen ihren Job machen und eine Antwort verdient haben. Selbst wenn diese ein wertschätzendes „Nein danke, im Moment benötigen wir nichts“ ist. 

Tipp 2: Es lohnt sich, in konstruktive Rückmeldungen zu investieren

Das erfordert Zeit und Mühe und, ja, auch Expertise. Das Einhalten einfacher Regeln der Kommunikation wie persönliches Feedback vor öffentlichem Feedback und ein respektvoller Umgangston leisten dabei gute Unterstützung. Und ja, es wird uns nicht immer gelingen, unser Gegenüber mit unserer Antwort nicht zu verletzen. Trotzdem sollten wir uns der Aufgabe stellen, auch unangenehme Rückmeldungen in einer für Erwachsene würdigen Form zu formulieren.

Tipp 3: Überfordert? Unterstützung suchen!

Werden das Antworten und Feedbackgeben zur Herausforderung, bewahren einen oft schon kleine Schritte vor dem Kommunikationsabbruch. Ist das E-Mail-Management noch effizient genug? Oder gibt es im Unternehmen jemanden, der oder die mir helfen könnte? Die Organisation und Struktur im Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen und mit neuen Methoden oder Tools zu erweitern, schützt vor Ghosting im Business – einer neuen Unsitte, die wirklich keiner braucht.

© iStock.com/Zbynek Pospisil
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