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impuls IMPULS-TALK MIT CLAUDIA NOVAK: WOMEN ON STAGE!

05.08.2022, Anita Reschreiter & Barbara Lamb & Claudia Novak

Wir freuen uns, dass du uns deine Meinung zum Blogbeitrag schreibst. Gerne lesen wir den Kommentar als Erster, dann wird er für alle LeserInnen freigeschaltet.

Liebe Claudia, du bist Speakerin und Gründerin von Women on Stage. „Red is the new black“. Das ist kein Dresscode, sondern dein Appell an alle Frauen, aus dem Schatten hervorzutreten und den Schritt in die Exponiertheit zu wagen. Was war dein Beweggrund, Frauen zu ermutigen, auf die Bühne zu gehen?

In der Vorbereitung zu TEDx Linz und in der Begleitung von Menschen in die Sichtbarkeit habe ich immer wieder hautnah erlebt, dass es einfacher ist, einen Mann auf die Bühne zu bekommen als eine Frau. Und so habe ich mich gefragt: Was kann ich hier beitragen, um etwas zu verändern? Das hat zur Gründung von Women on stage geführt.

Dabei hat mich Oprah Winfrey mit ihrem Zitat „Turn your wounds into your wisdom“ sehr inspiriert. Sie spricht damit das Thema Unsicherheit an und wie wir aus Verletzungen und vermeintlichen Schwächen Stärke gewinnen können. Viele von uns fragen sich doch immer wieder: Bin ich gut genug, um mich zu zeigen? Ich kenne so viele tolle Frauen, die viele Ausbildungen haben und immer wieder neue Ausbildungen absolvieren, schlussendlich aber nicht das daraus machen, was sie könnten – weil sie sich noch immer nicht für gut genug halten. Ich finde, lebenslanges Lernen ist eine ganz wichtige Lebenseinstellung. Es steckt jedoch auch die Gefahr dahinter, sich dann nie die Bühne zu nehmen und das eigene Ding daraus zu machen. Das habe ich auch bei mir selbst erlebt. Ich habe festgestellt, es geht nicht um die nächste Qualifikation, sondern darum, die eigene Unsicherheit oder Angst zu überwinden und sich dem eigenen Mut zu übergeben.

Wieso stehen Frauen oftmals lieber im Schatten, warum wagen sich nur wenige auf die Bühne?

Gerade Frauen tragen oftmals einen hohen Perfektionsanspruch in sich. Viele von uns wollen einem idealen Bild entsprechen. Wir sehen nicht mehr objektiv, wer wir sind und was wir bereits können. Wir unterschätzen uns selbst oft maßlos.  Ich selbst bin mit Women on stage gewachsen und wachse täglich weiter. Ich gehe heute als Frau mit meinen eigenen Wunden, meinen eigenen Unsicherheiten und Ängsten in neue Aufgaben hinein und frage mich nicht mehr, ob ich dafür gut genug bin. Ich tue es einfach.

Ist es ein Frauenspezifikum ungern auf der Bühne zu stehen, oder gibt es auch Männer, die das betrifft?

Ich bewege mich ungern in diesen Mann-Frau-Zuschreibungen. Es ist eine menschliche Angst, vor Menschen zu sprechen. Wir Frauen haben nicht das Monopol auf Bühnenunsicherheiten. Natürlich haben auch Männer Unsicherheiten. Ich wünsche mir einfach mehr Frauen auf den Bühnen, daher habe ich mein Angebot darauf zugeschnitten.

Wie kann frau den Druck verlieren, perfekt sein zu müssen?

Ich sage den Frauen gerne: Besser improvisieren, besser sichtbar imperfekt als perfekt unsichtbar sein. „Ich habe dafür keine Zeit“ soll keine Ausrede sein. Denn wir müssen uns nicht immer perfekt vorbereiten, gerade wenn es um die eigene Geschichte, die eigene Expertise geht. Die kennen wir. Ebenfalls hilfreich ist es, nicht im braven Arbeitsbiene-Modus zu sein, sondern gut in der eigenen Kraft. Ein wichtiger Begleiter ist hier der Atemrhythmus und die eigene Entspannung. Die britische Stimmtrainerin Caroline Goyder sagt so schön in ihrem TEDx Talk: Die mächtigste Person im Raum ist die Person mit dem entspanntesten Atemrhythmus. Und den können wir trainieren und üben.

Du warst TEDx Kuratorin, wie lange? Wie bist du dazu gekommen?

Florian Novak, der Cousin meines Mannes hat die TEDx, also den regionalen Ableger der TED-Talks, nach Linz geholt. Ich war zuerst Mitorganisatorin. Im Laufe der Zeit übernahm ich immer mehr Aufgaben, moderierte und schließlich wurde mir die Leitung angeboten. Und genau in diesem Moment habe ich mir gedacht: Hilfe, jetzt stehe ja dann ich alleine vorne. Genau wieder das Thema. Meine Stiefschwester Julia Rumplmayr hat damals zu mir gesagt: Ist das nicht das typische Frauenthema, dass sich Frauen nicht erlauben, groß und laut und sichtbar zu sein? Und damit hatte sie absolut recht und mir den nötigen Impuls gegeben. Ich entschloss mich, es einfach zu machen. Ich habe mir die Lizenz in New York geholt, die TEDxLinz ins AEC und ins Musiktheater gebracht und mich einfach getraut. Mit meiner Geschichte will ich anderen Mut machen, Dinge einfach zu tun und sich die Bühnen des eigenen Lebens selbst zu gestalten.  

Was können wir von den TEDx Speakern lernen oder uns abschauen?

Was ich an den TED-Formaten schön finde, ist wie Menschen Expertise teilen und Wissen vermitteln, nämlich über ihre Geschichten und persönliche Blickwinkel. Dieser Zugang ist für mich bahnbrechend, weil sie Menschen, die in hierarchisch höheren Ebenen sind, durch die Talks greifbar und nahbarer machen. Wenn ein Speaker mit Begeisterung über seine Sache erzählt, dann ist das spannend und bringt Bühne auf Augenhöhe.

Eine Aussage von dir: Messenger before Message. Soll das bedeuten, der Inhalt ist eigentlich zweitrangig?

Inhalt ist nicht zweitrangig, aber wir dürfen als Redner nicht vergessen, als Mensch greifbar zu sein und nicht einfach als „Faktenfassade“ vorne zu stehen. Damit erreichen wir niemanden. Wir müssen uns selbst als Person auf die Bühne mitnehmen. Besonders in Zeiten eines Informations-Overloads haben wir Menschen keine grundlegende Sehnsucht nach Informationen, aber eine Sehnsucht nach zwischenmenschlicher Verbindung. Und wenn ich mich von einem Menschen, der auf der Bühne steht, angesprochen fühle, ihn plötzlich greifen kann, dann bin ich offen für seine Information.

Gehört Lampenfieber zu einem Auftritt dazu? Und hast du Tipps, damit gut umzugehen?

Lampenfieber gehört dazu. Es ist eine wichtige Energie, die Kraft und Fokus gibt und Spannung erzeugt. Auf der Bühne geht es darum, mich von dieser Energie, die da frei wird, nicht überrollen zu lassen, sondern diese Wucht für mich zu nutzen. Dazu gebe ich in meinen Seminaren immer den Tipp, sich vor dem Auftritt eine Auszeit zu nehmen, auf die Atmung zu achten, das Handy auf Flugmodus zu stellen. Selbst wenn es nur ein paar Minuten sind. Damit bringe ich Ruhe und Kraft in meinen Körper und erde ihn. Mich zu wurzeln gibt mir Bodenhaftung, ein ruhiger Atem schenkt mir die innere Ruhe, durch die ich für die Bühne an Aufmerksamkeit und Konzentration gewinne. Denn unsere Urinstinke „Angriff und Flucht“ lassen uns oftmals viel zu schnell auf der Bühne werden. Dabei soll ich mir die Zeit auf der Bühne gönnen. Schließlich stehe ich dort, um zu sagen, was mir wirklich wichtig ist.

Wie bereitest du dich auf Bühnenauftritte vor? Welche Bühnen sind für dich persönlich herausfordernd?

Ich bereite mich vor, indem ich den Fokus auf Selbstfürsorge und Entspannung lege. Ich frage mich weniger im Detail, was ich genau sagen werde, sondern was ich verkörpern will, welche Botschaft ich in den Köpfen und Herzen der Menschen hinterlassen will. Wenn sie alles vergessen, aber daran sollen sie sich erinnern, ist eine Frage, mit der ich schon Tage vorher schwanger gehe. Entspannt beim Gemüseschneiden kommen dann die Ideen, nicht angespannt am Schreibtisch. Welche Bühne mich einschüchtert? Die Social Media Bühne. Das ist nicht mein Modus, meine Welt. Ich bin gerne in analoger Verbindung mit Menschen. Mich schreckt eine analoge Bühne weniger als Instagram Live. Mir fehlt bei Social Media die Rückkoppelung, die ich auf einer Bühne vom Publikum unmittelbar erhalte, ob verbal oder nonverbal. Da fehlt mir einfach diese unmittelbare zwischenmenschliche Verbindung – das „Wir“-Gefühl.

Angenommen: Nächste Woche steht ein Bühnenauftritt bevor. Welche 3 Punkte sollten wir unbedingt beherzigen?

Zuallererst gilt es sich die richtigen Fragen zu stellen. Es geht nicht zuallererst darum, was soll ich sagen, sondern darum, was will ich erreichen. Dieser Zugang bringt mich in ein größeres Bild: Was will ich verkörpern? Welche Stimmung will ich erzeugen? Welche Bilder, welche Gefühle, welche Gedanken will ich in den Köpfen und Herzen der Menschen, die mir zuhören, erzeugen? Sobald ich das große Bild im Kopf habe, folgen die Fragen: Welche Fakten helfen mir dabei? Welche Geschichten helfen mir dabei? Ein heißer Tipp dafür:  Mut zur Lücke. Ein Vortrag wird oft durch das wirklich gut, was man weglässt. Weniger ist mehr. Weglassen schafft Klarheit und Fokus in der Aufmerksamkeit der Sprecherin, aber auch der Zuhörer*innen. Als Sieb beim inhaltlichen Ausmisten nutze ich die Frage nach einem zugespitzt formulierten Ziel: Was ist mein Ziel und was braucht der Vortrag, um dieses Ziel zu erreichen? Und speziell in den letzten Tagen vor dem Vortrag empfehle ich, sich nicht nur auf den Kopf zu konzentrieren, sondern auch auf den Körper. Lieber noch eine Runde laufen gehen und sich danach in die Badewanne legen mit einem guten Buch. Wenn ich gut drauf bin und in einer guten inneren Stimmung, dann bringe ich das gut nach außen.

Vielen Dank Claudia für das Gespräch.

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