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Role Models, Vorbilder, Frauen

impuls Bitte nicht perfekt: Her mit den neuen weiblichen Role Models

03.12.2021, Barbara Lamb

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Wir wissen, wie wichtig weibliche Vorbilder nicht nur für die persönliche Entwicklung von Frauen, sondern auch für das große Thema der Gleichberechtigung sind. Leider sind diese immer noch eher selten im öffentlichen Leben anzutreffen. Überall dort, wo es um Macht und Geld geht, politische oder gesellschaftliche Entscheidungen getroffen werden, sitzen noch immer vor allem Männer. In Österreich sind wir in den größten Unternehmen des Landes von zehn Prozent Frauen in der Führung noch sehr weit entfernt. Wir liegen nur bei rund fünf bis sechs Prozent Frauenanteil im Topmanagement. Das wissen viele nicht. Und auch bei Diskussionspanels, in der Medienberichterstattung etc. sieht es nicht sehr viel besser aus. Aber es wird. Langsam. 

Gerade in den letzten beiden Jahren hat sich in Sachen weibliche Vorbilder so einiges getan. Mit Kamala Harris haben wir die erste US-Vizepräsidentin und in Ländern wie Neuseeland oder Norwegen haben die Premierministerinnen Jacinda Ardern und Erna Solberg ihre Länder besser durch die Pandemie geführt als so manch männliche Regierungskollegen. Und auch die Schweden vertrauen mit Magdalena Andersson auf ihre erste Ministerpräsidentin. 

Diese großen Role Models sind wichtig. Sie zeigen, dass Mädchen alles werden können, wenn sie wollen. Sie verändern die gesellschaftliche Perspektive und öffnen Türen. Berühmte Frauen vergrößern die Vorstellungskraft der Gesellschaft. Nur so richtig alltagstauglich sind all diese inspirierenden Frauen in meinen Augen nicht. Zur Nachahmung bleiben sie meist unerreichbar und wirken aus der Ferne oft eindimensional in ihrer scheinbaren Vollendetheit. Zudem ist die Wirklichkeit, dass die allerwenigsten von uns ein Land regieren, Supermodel werden oder in einen Vorstand aufsteigen. Und auf die große Distanz erkennt man auch nicht, welche Zweifel die Frauen auf ihrem Weg hatten, wer ihnen wie und an welchen entscheidenden Punkten geholfen hat und was an der Erfolgsgeschichte bloß passendes Storytelling ist und mit der Realität so gar nichts gemein hat. 

Das wirft die Frage auf, ob es überhaupt gut ist, sich an anderen Menschen zu orientieren. Sollten wir nicht unseren eigenen Weg gehen? Macht uns das nicht depressiv, immer auf vermeintlich erfolgreichere zu schielen? Und gibt es vielleicht Menschen, die man sich überhaupt nicht zum Vorbild nehmen sollte?

Gute Vorbilder, schlechte Vorbilder

„Wer ist dein Vorbild?“ – eine einfache Frage, die oft schwer zu beantworten ist. Die meisten von uns nennen dann berühmte, erfolgreiche Menschen. Dabei frustrieren uns diese Berühmtheiten viel öfter, als sie uns wirklich Vorbild sind. In Zeiten von Instagram und Co. richten Vorbilder leider auch erheblichen Schaden an. Gerade bei jungen Mädchen, die oft noch auf der Suche nach sich selbst sind. Aber ich nehme uns ältere Mädchen da nicht aus. Wir alle bekommen auf Social Media unablässig zu Gesicht, wie perfekt andere Menschen aussehen, wie schlank sie sind, was sie für ein tolles Leben führen und wie erfolgreich sie sind. Und selbst wenn wir so reflektiert sind, um zu wissen, dass auch bei den Frauen im Rampenlicht nicht immer alles so ist, wie es scheint, macht es was mit uns. Ich denke, es ist wichtig, bei der Wahl der eigenen Vorbilder darauf zu achten, dass man sich realistische Ziele steckt. Es muss klar sein, dass es bestimmte Grenzen gibt. Vielleicht sind wir auch nicht bereit, den gleichen Einsatz zu zeigen, um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen. Es ist gut, sich Ziele zu stecken, wenn diese aber zu hoch sind, frustriert uns das nur und schadet uns eher, als dass es uns anspornt.

Lenken wir unseren Blick von der großen Bühne auf unser direktes Lebensumfeld, stellen wir fest, dass wir umgeben sind von funktionierenden weiblichen Vorbildern. Sie lenken zwar nicht die Geschicke der Welt, aber sie arbeiten mit uns und leben mit uns. Sich jemanden zum Vorbild zu nehmen, ist gut und spornt einen zu neuen Leistungen an, inspiriert einen oder macht Hoffnung. Und es ist überhaupt nicht notwendig, jemanden in allen Einzelheiten großartig zu finden, damit er oder sie uns prägt. Es sind fast immer nur einzelne Aspekte der Persönlichkeit oder der Karriere, die uns inspirieren oder dazu motivieren, einen ähnlichen Weg zu wagen. Zu wissen, dass auch sie zweifeln und hadern und auch Eigenschaften an sich haben, mit denen sie wenig inspirieren, sondern, im Gegenteil, eher nerven, macht sie noch besser geeignet als Role Model. Denn vielleicht liegt sogar in dieser Unperfektheit der Menschen, die einem am nächsten sind, der Schlüssel zu ihrer Vorbildfunktion. 

Das kann die Schwägerin sein, die ein unglaubliches Gespür für Dekoration und Einrichtung hat. Eine Freundin, die leidenschaftlich gerne kocht. Eine ehemalige Studienkollegin, die eine tolle Karriere macht. Eine Kollegin, die gerade mit einer schwierigen Lebenssituation umzugehen hat. Eine Kundin in einer Top-Position, an der ich nah dran bin und die ich bei der Arbeit immer wieder in verschiedenen Situationen mit allen Facetten erleben und spüren kann. Der Vorteil von Role Models im eigenen Umfeld ist, dass wir erfahren können, wie genau jemand etwas erreicht hat und warum. Sie erweitern die Vorstellungskraft in Bezug auf das, was Menschen aus ihrem Leben machen können, wie sie kämpfen, vorankommen und auch nach Rückschlägen wieder Lebensmut fassen.

Selbst Role Model sein

Ich persönlich wähle meine Vorbilder danach aus, was ich mir von ihnen abschauen kann, denn ich bin heute in einem Alter, in dem ich nicht nur ausschließlich anderen nacheifere, sondern mir meine Vorbilder in verschiedenen Lebensbereichen ganz bewusst aussuche. Schließlich bin ich gerne ich. Aber noch lieber morgen ein besseres Ich als heute. 

Und ohne es zu wissen, sind auch wir selbst schon Vorbilder. Sich dabei immer vor Augen zu halten, dass man Einfluss auf andere hat, bringt einen vielleicht dazu, noch einmal genau nachzudenken, wie man sein möchte und welches Bild man anderen vermitteln will. Denn unser Handeln hat nicht nur Auswirkungen auf uns selbst. Es prägt auch immer andere. 

© Daniel Hinterramskogler
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