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PR, Inklusion, Diversität, Gendergerechtes Schreiben

impuls Gendern: weil Sprache unsere Welt gestaltet

16.03.2023, Elisabeth Kumpfmüller & Barbara Lamb

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47 Tage im Jahr gratis arbeiten. Für viele unvorstellbar. Doch für Frauen in Österreich ist dies Realität. Noch immer erhalten Frauen weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen, und das im 21. Jahrhundert. Dabei handelt es sich nur um einen Bereich, in dem wir es noch nicht geschafft haben, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern herzustellen. Ein weiteres Thema, das direkt und vor allem den Kommunikationsbereich betrifft, ist das geschlechtergerechte Schreiben. Es geht um die Inklusion aller vorherrschenden Geschlechtsidentitäten bei schriftlichen Werken und in der Sprache. Gendersternchen, Doppelpunkt, Binnen-I: Begriffe, die deshalb in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Wir alle kennen sie, doch nicht alle lieben sie. Gendersensible Sprache: ein Thema, das es noch immer schafft, die Nation zu spalten. Doch warum ist eine ablehnende Haltung in dieser Angelegenheit so weitverbreitet? Hier wird uns die Vorsicht vor Neuem zum Verhängnis. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Holt uns etwas aus unserer lieb gewonnenen Komfortzone heraus, entwickeln wir schnell eine Abwehrhaltung dagegen. Wobei die Umsetzung einer geschlechterkorrekten Sprache es ermöglichen würde, einen Beitrag zu leisten. Einen Beitrag, um der Ungleichbehandlung von verschiedenen Geschlechtern entgegenzuwirken. Einen Beitrag zu einer inklusiveren Welt. Einen Beitrag, die Welt mitzugestalten – schließlich prägt Sprache ja unsere Realität.

Gendern – was bedeutet das für uns?

Doch nun mal von Anfang an. Was bedeutet Gendern eigentlich genau? Warum wurde es entwickelt und welches Ziel wird damit verfolgt? Das Wort „Gender“ kommt, wie so vieles, aus dem Englischen und bezeichnet das soziale Geschlecht. Soziales Geschlecht: wieder ein Begriff, dessen Bedeutung vielen nicht geläufig ist. Die Besonderheit daran ist, dass es von einem Menschen gelebt und gefühlt und nicht durch körperliche Merkmale zugewiesen wird. Es bestimmt, zu welcher Geschlechtsidentität sich ein Mensch zugehörig fühlt. Durch das Gendern wird die Inklusion von Personen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten gefördert. Es geht darum, die gängigen Sprachgewohnheiten, die oft auf der Annahme einer heteronormativen Gesellschaft basieren, zu hinterfragen und zu verändern. Das Ziel ist es, zu vermeiden, dass nur ein Geschlecht repräsentiert wird. Gendern zeigt Anerkennung und Wertschätzung für die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten und hilft, sprachliche Angewohnheiten zu verändern.

Bereits seit den 1970er-Jahren gibt es immer wieder Diskussionen über eine gendergerechte Sprache, nur leider wurde bis heute keine zufriedenstellende Lösung dafür gefunden. Durch ein Urteil, das seit 2018 die Eintragung eines dritten Geschlechts ins Personenstandregister ermöglicht, nahm die Debatte Fahrt auf. Die Fronten zum Thema sind aber weiterhin verhärtet. Für die einen ist Gendern ein Ausdruck der Gleichberechtigung, für die anderen ruiniert es die deutsche Sprache. Dabei ist es uns noch einmal wichtig, zu betonen, dass Sprache eine gewisse Macht besitzt und für Sichtbarkeit sorgt. Sie prägt und formt unser Denken und soll alle Geschlechter vor den Vorhang holen. Mit diesem Wissen ist es besonders von Bedeutung, Sprache bewusst zu wählen und einzusetzen, auch in Bezug auf das Gendern.

Doch wie gendern wir richtig?

Um genderbewusste Sprache in die eigene Kommunikation zu integrieren, gibt es verschiedenste Möglichkeiten und Formen. Wobei es noch keine offiziellen und allgemeingültigen Regeln gibt, nicht einmal im Duden, und es sich bei diesen lediglich um Vorschläge handelt. Aus diesem Grund sind Aussagen wie „Die männliche Variante bezieht ja Frauen eh mit ein!“ auch heute noch weitverbreitet. Aber stimmt das wirklich? Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies für unser Unterbewusstsein eben nicht der Fall ist. Es gibt bereits Experimente, bei denen beobachtet wurde, dass Frauen seltener genannt werden, wenn in der Fragestellung rein nach dem generischen Maskulinum gefragt wird. Welche Möglichkeiten der geschlechtergerechten Sprache gibt es nun? Derzeit wird mit fünf gängigen Empfehlungen gearbeitet, die regelmäßig eingesetzt werden. Im Groben unterscheiden wir zwischen drei Varianten – der Paarnennung, der Neutralisierung und den Genderzeichen. Nur, was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

  • Paarnennung: Hier werden beide Geschlechter, also männlich und weiblich, ausgeschrieben. Auch das Binnen-I und der Schrägstrich fallen in diese Kategorie, wobei bei den beiden Letzteren die weibliche Form durch eine Abkürzung hinzugefügt wird. Dadurch werden aber alle anderen Geschlechtsidentitäten, abgesehen von Frau und Mann, außer Acht gelassen. Beispiele dafür wären: Studentinnen und Studenten, StudentInnen oder Student/-innen.
  • Neutralisierung: Das generische Maskulinum wird durch eine geschlechterneutrale Form ersetzt. Ein Beispiel dafür wäre: die Studierenden.
  • Genderzeichen: Hierunter fallen verschiedene Varianten. Die männliche Form wird immer um eine weibliche Endung ergänzt, dazwischen befinden sich Sonderzeichen. Durch Gendersternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt werden auch Personen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen, inkludiert. Beispiele dafür wären: Student*innen, Student:innen oder Student_innen.

Wie schon erwähnt dienen diese Varianten derzeit nur als Anregung und sind oftmals schwierig umzusetzen. Wir raten, auf die Balance zwischen der Lesbarkeit, also der Barrierefreiheit eines Textes, und der Inklusion der Geschlechter zu achten.

Barrierefreiheit in der Sprache – was ist das?

Barrierefreiheit: ein Begriff, der uns aus dem Baubereich bekannt ist, aber was bedeutet er in der Kommunikation? Es gibt Menschen mit Leseschwäche oder anderen Einschränkungen in allen möglichen Formen. Es gibt Personen, die auf einen Screenreader angewiesen sind, da sie selbst blind oder sehbeeinträchtigt sind. Genau für diesen Personenkreis ist es besonders wichtig, eingebunden zu werden. Deshalb sollen Texte so geschrieben werden, dass sie alle Menschen verstehen und lesen können. Da kommt die Barrierefreiheit ins Spiel. Durch das Gendern büßt ein Schriftstück an Verständlichkeit ein. Dies empfindet vor allem die beschriebene Personengruppe so. Genderzeichen unterbrechen den Lesefluss und sind besonders für Personen, die sich schnell aus dem Konzept bringen lassen, die gerade Deutsch lernen, die geringe Leseerfahrung haben usw., eine Schwierigkeit. Somit haben wir in der Kommunikation derzeit noch ein Problem, das gelöst werden muss. Wird gegendert, erhöht sich die Barriere für Menschen, die ohnehin schon benachteiligt sind. Wird nicht gegendert, lassen Diskriminierungsvorwürfe nicht lange auf sich warten. Dies ist eine scheinbar ausweglose Situation für uns PR-Fachleute.

Doch wir sind uns sicher, sie kann trotzdem gelöst werden. Für die Barrierefreiheit ist es von Bedeutung, endlich eine Einigung auf eine der unzähligen Gendervarianten zu erreichen. Durch den flächendeckenden Einsatz und die daraus resultierende Erfahrung und Übung im Umgang mit dieser werden dann Barrieren Stück für Stück automatisch abgebaut.

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